Mrz 03

Hurrah, jetzt ist es offiziell!

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Seit letzten Samstag sind Uli und ich richtig verlobt. Die Sache an sich ist keine große Neuigkeit, aber wenn andere so eine gute Nachricht per Anzeige und mit einer Riesenparty öffentlich machen, tu ich das wenigstens hier in meinem Blog. Alles Andere wär schliesslich “spätrömisch-dekadent” – zumindest, wenn man nicht zu dem gehört, was Guido Westerwelle so alles zu seinesgleichen “Leistungsträgern” zählt.
Allerdings hätt’ ich von meinem Uli eigentlich eine etwas unprosaischere Art erwartet, meine Mutter vom absehbaren Familienzuwachs in Kenntnis zu setzen. Ich bin zwar froh, dass er auf den üblichen teuren Unsinn (Champagner etc.) verzichtet hat, aber mich so ganz beiläufig bei einer Pulle Malzbier vom Discounter zu fragen, ob ich’s ihr schon gesagt hätte, war dann doch arg schlicht für so einen Anlass.

Macht aber nix. Eine kleine Feier holen wir nach. Ich weiss, welches seltene Privileg ich als Transfrau hab, so einen lieben und dabei in jeder Hinsicht ganz normalen Mann gefunden zu haben. Dabei hatte ich wie die meisten anderen von uns Mädels solche Angst, allein bleiben zu müssen.
Liebe Schwestern: ich wünsche auch euch Selbstvertrauen und fröhliche Spontaneität, euch – vielleicht beim Stöbern im Supermarkt – zu verlieben. Es geht, glaubt mir! Gebt einfach dem Zufall und Cupido, dem dicken kleinen Kerl mit dem Liebespfeil, eine Chance :)

Und Du, mein zukünftiger Mann, bist ein wahnsinnig lieber Schatz. Du hast mich sehr glücklich gemacht!

Feb 26

Kreuzundquer

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Diesen Link musste ich einfach in meine Liste aufnehmen.

Herrlich pointierte Spitzen auf die Westerwelles Dekadenzen :)

Feb 12

Ein halber Tag Freiheit

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Ich sitz tatsächlich in einem Café in Poing (Oberbayern), nur wenige Meter von meiner alten Studentenbude entfernt, und warte auf meinen Termin bei Dr. Liedl an der Klinik Bogenhausen.
Ich war ewig nicht mehr hier, ein wenig überwältigen mich Heimatgefühle, und das Gefühl, endlich mal aus meinem in jeder Hinsicht so eingeschränkten Hartz-IV-Trott rauszukommen. Ich hab mir sogar ein ganzes Kännchen Kaffee gegönnt. Für ein paar Stunden hab ich mich mal wieder so ganz frei gefühlt.
Trotzdem kann ich diesen Tag nicht geniessen. Ich lebe von Sozialhilfe, aber ich fahr immer noch mit dem eigenen Auto nach München, um einen Spezialisten aufzusuchen, und leiste mir heute Abend sogar noch ein Abendessen. Ist das nicht doch unverschämter Luxus, bezahlt von Millionen Steuerzahlern, die zum Teil für mickriges Gehalt 40 Stunden in der Woche schuften müssen?
Vielleicht sitz ich tatsächlich immer noch auf einem zu hohen Ross. Warum sollte ich an einen Job höhere Ansprüche haben, als irgend eine andere Arbeitslose, nur weil ich eine Hochschulausbildung hab, und mir soviel auf all die anderen Sachen einbilde, die ich so gemacht hab? Nehm ich das wirklich nur als Vorwand, wenn ich mich zu schnell von Zeitarbeitsfirmen abwimmeln lasse, die mir sagen, ich sei zu “überqualifiziert”, um Paletten zu packen, Stapler zu fahren oder ein Büro zu putzen, obwohl ich mit meiner längst veralteten Ausbildung eigentlich zu den Wieder-Unqualifizierten gehöre?

Mein Kaffee ist bitter. Der Zucker drin hilft nicht. Vermutlich wird mir mein Abendessen auch nicht schmecken. Wenigstens war der altbayerische Kalbskopf echt lecker, den ich mir gestern Abend geleistet hab. Ich gönn mir meine eigene Dekandenz nicht mehr.
Aber ich geb ungeniert zu, dieser halbe Tag Freiheit zwischen gestern Abend und heute Mittag hat mir gut getan.

Jan 30

Die Würde des Menschen

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ist unantastbar.
Es sei denn, dieser Mensch bezieht Hartz-IV…

Heute habe ich auf Bundestag.tv die erste Lesung eines Antrags auf Änderung des Artikels 3 GG Absatz 3 verfolgt. Auch das Verbot der Diskrimierung auf Grund der sexuellen Orientierung soll dort aufgenommen werden. Zu Recht, wie ich finde, denn auch ich habe während des Verfahrens im Vorfeld meiner Geschlechtsangleichung meine Portion Missachtung von Menschenwürde erfahren. Trotz der leidenschaftlichen Rede von Volker Beck wird diese Verfassungsänderung an Union und sogar FDP scheitern, denn eine besondere Erwähnung der Schutzbedürftigkeit hält das konservative Lager für nicht notwendig. Schliesslich sei da ja der Artikel 1 – also der mit der unantastbaren Würde – der völlig ausreichend vor Diskrimierung schütze.
Aber dann fällt mir auch ein, dass ich mich am Mittwoch bei der Abgabe meines Hartz-IV-Verlängerungsantrages wie eine Verbrecherin gefühlt habe, die man erst im Laufe des Verhörs ahnen lässt, was sie verbrochen haben soll. Tatsächlich, ich hatte sogar einen schwarzen Fleck auf meiner doch weissen Weste: da meine Toilette samt Bad nicht beheizt und nur über die zugige Veranda erreichbar ist, verbringe ich derzeit schon aus gesundheitlichen Gründen die mehr Zeit bei meiner Mutter, als ich nach den Regelungen für Hartz IV-Empfänger eigentlich dürfte. Die elektronischen Fussfesseln, die mir einst ein Justizminister von Roland Kochs Gnaden anlegen wollte, hätte ich also durchaus ein wenig verdient.
Der banale Rechtsverstoß war mir bewusst, die Güterabwägung zwischen “Aufenthaltspflicht” und der Gefahr, dass meine Blasenprobleme durch die Kälte bald chronisch und damit nicht nur schmerzhaft, sondern auch richtig teuer würden, fiel eindeutig zu Gunsten meiner Gesundheit aus. Wer hätte anders entschieden?
Trotzdem hat man mir deshalb und ohne mich darüber zu informieren das Geld gestrichen. Der Gesellschaft entsteht nicht der geringste Schaden, ich bin nach wie vor erreichbar (wenn die Arge mich mit tollen Arbeitsangeboten überhäufen möchte), verpflege mich ohne jede geldwerte Zuwendung durch meine Mutter selbst, und doch werde ich gemaßregelt. Kein vollwertiger Bürger dieses Landes würde sich das gefallen lassen.
Und, viel schlimmer: was ist mit den Kindern aus Hartz-IV-Haushalten, denen unser Schulsystem Bildungschancen so konsequent verweigert, die den Sprösslingen eines Rechtsanwaltes oder Beamten etwa so selbstverständlich zustehen?

Die Würde des Menschen ist antastbar, solange sie so willkürlich an den Maßstäben einer Gesellschaft definiert wird, die sozialen Status, Herkunft und überkommene Moral immer noch so beliebig über universelles Menschenrecht stellt.

Jan 24

Lichtblicke (Nachtrag 20.1.2010)

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Draussen bahnt sich Sonnenlicht immer mal wieder einen Weg durch die Wolken, wie ein vages Frühlingsversprechen. Dabei ist es nur ein kalter Januartag, und der Winter ist nicht mal einen Monat alt. Trotzdem tut mir das Licht gut. Nach den trüben letzten Wochen geht es endlich aufwärts. Die Blasenentzündung ist überstanden, und selbst das nervige Dauertröpfeln scheint nachzulassen. Sogar geschlafen hab ich heute Nacht. Nicht viel, schon gar nicht bei meinem derzeitigen Schlafdefizit, aber genug, um wieder meine Laune zu heben.
A. hat ihre OP gut überstanden. Ich denke daran, wie ich selbst vor acht Monaten im “blauen Zimmer” (das ist die Essner Überwachungsstation für die frisch Operierten) gelegen hab und freu mich für sie, dass sie es endlich geschafft hat. Willkomen im Club :)

Jan 24

No sports!

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Schlaf… Am Liebsten würde ich mich mit Schlaftabletten abschießen, bis mir meine Blase egal ist und einen ganzen Tag durchschlafen. Ich bin immer noch hundemüde. Fast hab ich den Eindruck, ich gewöhne mich nach Monaten ohne durchgehende Nachtruhe daran. Irgendwie schaffe ich es tatsächlich durch den Tag, obwohl ich immer wieder für Sekunden wegnicke und viele Fehler mache. Sogar den Entwurf für den Euskirchner Kreishaushalt für das Jahr 2010 hab ich mir vorknüpft. 1500 Seiten dröges Zahlenwerk in drei Bänden wollen überhaupt erst einmal in ihrem Aufbau verstanden werden, aber schon der erste Eindruck bestätigt meine Befürchtungen. Die Lage ist ernst, und ich möchte nicht gerne mit denen tauschen, in deren unmittelbarer Verantwortung es liegt, mit diesen trostlosen Finanzen noch all die sozialen Aufgaben sicherzustellen, die ein Kreis so hat. Es erschüttert mich, wie Regierungsparteien in Bund und Ländern auf Kosten der Kreise und Kommunen ihre Haushalte schönen – nur um Wahlkampf zu machen. Dazu der Eindruck, dass sich die Habgierigen auf Kosten der Bürger jede Politik kaufen können, und das nicht mal für so besonders viel Geld.

Ich bin schon zum Kotzen zu müde…

Dann ein Anruf aus Köln. Ich hatte mich als Redakteurin im Presseteam der Gay Games Cologne 2010 beworben. Mittwoch darf ich mich dem Team vorstellen. Ich freu mich drauf: spannende Leute, aufregende Events im sommerlichen Köln und interessante Kontakte zu Medienprofis. Wenn es schon kein Geld dafür gibt (natürlich, ich finds ja schon geradezu unanständig, für Geld zu arbeiten), dann wenigstens Referenzen.
Wär schön, wenn ich für die Betreuung der Segelwettbewerbe endlich einen Grund hätte, meinen Sportbootführerschein auf meinen neuen Namen umschreiben zu lassen.

Jan 14

UK Essen: Mañana…

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Es tropft nur noch. “Meatusstenose, nicht bougierbar” hat mein Urologe in die Klinikeinweisung geschrieben und mich ermahnt, das müsse baldmöglichst operiert werden, ich soll bloß nicht warten. Nicht, dass ich damit überhaupt hätte warten wollen- an mir liegt es bestimmt nicht, dass ich mich voraussichtlich noch wochenlang mit endlosen Toilettensitzungen, schlaflosen Nächten und der Angst vor durchnässten Höschen arrangieren muss.
Auf einen Termin in der Ambulanz der Urologie der Uniklinik Essen müssen selbst dringende Fälle wochenlang warten, und wann dann endlich die erlösende, kleine und diesmal hoffentlich auch erfolgreiche OP wäre? Mañana… Erst muss der Verwaltungskram erledigt sein, dann gibts, sofern man die Bettenplanung erreicht, irgendwann einen Termin. Derweil soll sich die Patientin dann wieder wochenlang mit einem Dauerkatheter (ein Kinderkatheter!) quälen, hinter dem sich beim letzten Mal ein höllisch schmerzhafter Abszess gebildet und laut OP-Bericht die Harnröhre bereits fast völlig zerstört hatte. Der Klinik tut es ja nicht weh.
Früher hätte ich wohl die Zähne zusammengebissen und mich in das unausweichliche Schicksal gefügt, aber dass Frau mit ein paar gut geweinten Tränen oft mehr erreicht als mit Argumenten, hab ich schnell gemerkt. Ich habe also auf die Emanzipation gepfiffen und geheult, was das Zeug hielt. Die junge Schwester, die den Terminkalender der Ambulanz verwaltet, fand dann doch noch einen Termin am nächsten Montag – statt im nächsten Monat, wie es zunächst mit schrecklich viel Bedauern hiess. Es ging wohlbemerkt zunächst nur um einen Termin für die Untersuchung, nicht für die OP!
So viel Zeit hab ich aber dann doch nicht. Die feucht ausgebremste Powerfrau will endlich ausgeschlafen aufwachen und sich fröhlich um ihr Tagwerk kümmern, statt ihr Leben halbduselnd einer unwilligen Harnröhre zu widmen.
Es soll ja noch andere Kliniken geben, die gute chirurgische Arbeit leisten. Auch wenn ich mir das Ticket nach München nicht leisten kann, werd ich mal bei Prof. Liedl in München anrufen. Vielleicht funktioniert die Terminverwaltung da ja patientenfreundlicher als in Essen.

Jan 12

Blase und Nase…

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beides tropft.
Mieser Tag heute. Kaum Schlaf in der Nacht, weil mich die Blase seit einer vermurksten Behandlung Anfang Oktober in der Ambulanz der Urologie Essen schmerzhaft auf Trab hält, und jetzt obendrein auch noch ein Schnupfen vom Feinsten. Wäre am Liebsten im Bett geblieben, aber zumindest zur Sitzung meiner Kreistagsfraktion musste ich aufstehen.
Für den Rest des Abends, den ich lieber bei einem heissen Grog unter der warmen Decke als auf der Toilette verbracht hätte, möchte ich Groucho Marx zitieren:
“I find television very educational. Every time someone switches it on I go into another room and read a good book. ”
Ob der auch schon einen gewissen Privat-Sender aus München kannte?
Na, so komm ich mal wieder zum Lesen – und wenn es nur mein Niederländisch-Lehrbuch ist. ;)

Jan 07

Verliebt, verlobt…

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Wäre da nicht die ständige Angst vor Insolvenz, die Trostlosigkeit meiner beruflichen Zukunft und eine hartnäckige Blasenentzündung, müsste ich eigentlich im siebenten Himmel sein.
Mein Uli spricht meine Mutter schon fröhlich als “Schwiegermama” an – und die lächelt ihrem hoffnungsvollen Schwiegersohn fröhlich zurück. Wir sind wohl schon mehr offiziell als inoffiziell verlobt…

Ich erwarte natürlich, dass er die Braut, wenn es denn soweit ist, ganz traditionell über die Schwelle meines dann gemeinsamen Häuschens trägt. Eigentlich hatte gehofft, dass er in eigenem Interesse meine Abnehmabsichten unterstützt. Aber der Gute bietet mir nur grinsend einen Karamell-Riegel an und erkärt, dass er mich auch mit 120kg noch packt.
Wenn er mir mit schmutzigen Tricks (also Gabelstapler, Dumper oder Sackkarre) kommt, wird er in der Hochzeitsnacht vor der Tür schlafen!
Wenn er es doch schafft, hat er keine Ausrede mehr, sich vor dem Radfahren zu drücken. Auch gut :)
Bin mal gespannt, ob er mir mit solchen Aussichten nicht doch noch Magerquark und Gurkenscheiben statt Gummibärchen vorsetzt…
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Dez 12

Ausgeträumt?

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Stellenabbau bei der WAZ… 300 Journalisten werden wegrationalisiert, ihre Redaktionen zusammengelegt und um gut ein Viertel des Personals reduziert. Denn in der Wissensgesellschaft darf Information vor Allem eins nicht: etwas kosten. Wo eingespart wird, gehe Qualität vor Vielfalt, so die Vertreter der Verlage. Aber die Vielfalt suchen heute zu wenige für gutes Geld am Zeitschriftenstand – die gibt’s mit wenig Rücksicht auf Qualität, aber längst aus Gewohnheitsrecht gratis im Internet.

Wenn das NDR-Medienmagazin “Zapp” richtig liegt, trifft es wieder einmal vor Allem die älteren RedakteurInnen. Welcher Chefredakteur sollte sich da noch für eine Anfängerin interessieren, die schon stramm auf die Fünfzig zugeht? Träume sterben an der Schwelle zu ihrer Erfüllung, heisst es. Ich frag mich, ob es meine beruflichen Träume überhaupt noch in die Nähe dieser Schwelle schaffen können. Sollte ich nicht vernünftigerweise aufgeben?

Fast freue ich mich, dass ich möglichererweise noch einmal wegen meines immer noch nicht dauerhaft gelösten Harnröhrenproblems ins Krankenhaus muss. Die Beerdigung meines Traumes hat damit noch etwas Zeit.

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