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Aug 09

Monstermädchen

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Immer, wenn meine lieben Mitmenschen mir mal für ein Weilchen das Gefühl gelassen haben, ich sei eine ganz normale Frau, reisst mich irgendwer aus der Illusion wieder heraus. Bisweilen sind es sogar gute Bekannte oder Familienmitglieder, die in mir doch offenbar alles Mögliche sehen – nur keine “richtige” Frau”.
Von meinen “gynäkologischen Hausaufgaben” abgesehen gibt es derzeit wenig in meinem Leben, das mich vor irgendeiner andereren kinderlosen Frau unterscheidet. Viele meiner Themen sind Frauenthemen, ja, und die vertrete ich selbstverständlich als Frau. Sexismus, Frauendiskriminierung und alte Rollenklischees betreffen mich genauso wie jede andere Frau. Vieles von dem, worunter Frauen heute, auch nach 40 Jahren “Emma” und zu oft ohne es wahrhaben zu wollen leiden, spüre ich vielleicht sogar heftiger, weil ich noch keine Zeit hatte, mich daran zu gewöhnen. Aber die “Provinz-Schwarzer” muss man nicht zu ernst nehmen: die schärfsten Kritiker der Elche waren schliesslich früher selber welche. “Nicht wahr, kaum umoperiert, und schon die Emanze geben” zwinkern mir dann nicht nur die Männer zu. Ich soll also den Ball flach halten. Ist ja schon schlimm genug, wenn sich “richtige” Frauen für Gleichberechtigung ereifern. Was mich dabei tröstet: die machen sich nicht weniger unbeliebt.
Wenig tröstlich ist dagegen das, was wohl auch hinter manch freundlicher Männerfassade steckt. Diana hat es auf den Punkt gebracht:

(…)wenn man im Internet nach “Transsexuelle” sucht, wird man geflutet mit Pornographie und Prostitution. Da scheint eine riesige Nachfrage zu sein nach “Transsexuellen”, wobei viele dabei eher SheMales suchen….. Ist ja irgendwie schon irre, ficken wollen sie uns, aber Menschenwürde zusprechen ist nicht drin. Krass, nicht? Tagsüber Transenwitze erzählen, transphob durchs Leben schreiten, aber dann am Abend mal schnell eine flachlegen.

Sexobjekt, ein Kerl, der sich den Schwanz hat abschneiden lassen, Perverse, Schwuchtel, Frauendarstellerin, umoperiertes Monster, Transe?

Nix da, wir sind richtige Frauen. Nichts anderes.

2 Kommentare

  1. corri

    Auch interessant für’s Thema Passing. Ich verstehe, dass viele Transmenschen das “Passing” für sich selbst machen, nicht aus Angst, keine Anerkennung zu finden (schließlich ist Trans* eine völlig künstliche Kategorie, wer will da schon ewig an seine/ihre Vergangenheit erinnert werden). Aber für Transmenschen, die sehr offen damit umgehen, weil es ja auch eben genauso normal ist, eine “Trans”-Frau zu sein wie eine “Cis”-Frau, oder ein “Trans”-Mann genauso normal wie ein “Cis”-Mann (Anführungszeichen, weil künstliche Einteilung!), ist es ne ganz schöne Gradwanderung: Bei vielen Menschen werden wir wirklich *immer* diesen Stempel weghaben, und leider nie als “normale” Frau oder “normaler” Mann anerkannt werden (wenn überhaupt als Frau/Mann), und manchmal überleg ich mir doch, lieber möglichst alles daran zu setzen, dass in Zukunft niemand etwas von meiner Trans-Vergangenheit erfährt. Quasi anpassen an die (Geschlechetr-)Norm und nicht auffallen. Is mir eigentlich aber zu anstrengend und auch viel zu traurig, dass es in vielen Situationen nötig is. Vor allem weil offen mit anderen Menschen über die eigene Geschichte reden zu können so viele Vorteile hat. Aber entweder immer den bunten Hund für alle zu spielen und offen und frei leben, ODER sich bis zum extrem anpassen und alles, was der Gesellschaft nicht passt zu verstecken, das kann’s doch eigentlich nicht sein…

    lg
    Corri

  2. corri

    Auch interessant für\’s Thema Passing. Ich verstehe, dass viele Transmenschen das \"Passing\" für sich selbst machen, nicht aus Angst, keine Anerkennung zu finden (schließlich ist Trans* eine völlig künstliche Kategorie, wer will da schon ewig an seine/ihre Vergangenheit erinnert werden). Aber für Transmenschen, die sehr offen damit umgehen, weil es ja auch eben genauso normal ist, eine \"Trans\"-Frau zu sein wie eine \"Cis\"-Frau, oder ein \"Trans\"-Mann genauso normal wie ein \"Cis\"-Mann (Anführungszeichen, weil künstliche Einteilung!), ist es ne ganz schöne Gradwanderung: Bei vielen Menschen werden wir wirklich *immer* diesen Stempel weghaben, und leider nie als \"normale\" Frau oder \"normaler\" Mann anerkannt werden (wenn überhaupt als Frau/Mann), und manchmal überleg ich mir doch, lieber möglichst alles daran zu setzen, dass in Zukunft niemand etwas von meiner Trans-Vergangenheit erfährt. Quasi anpassen an die (Geschlechetr-)Norm und nicht auffallen. Is mir eigentlich aber zu anstrengend und auch viel zu traurig, dass es in vielen Situationen nötig is. Vor allem weil offen mit anderen Menschen über die eigene Geschichte reden zu können so viele Vorteile hat. Aber entweder immer den bunten Hund für alle zu spielen und offen und frei leben, ODER sich bis zum extrem anpassen und alles, was der Gesellschaft nicht passt zu verstecken, das kann\’s doch eigentlich nicht sein…

    lg
    Corri

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