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Aug 06

Kritik mit Biss

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Wenn meine beste Freundin die Renovierungsarbeiten an meinen beiden Webseiten begutachtet, bekommt sie sofort Migräne und erklärt, wäre sie für diese Geschmacksverirrung verantwortlich, hätte ihr Lehrmeister sie dafür gehängt, erschossen, gevierteilt, verbrannt und die Reste an die Schweine verfüttert.
Halb so wild. Neulich bin ich an wesentlich brutalere Kritiker geraten…
Es dauert immer ein paar Stunden, bis ich Anne nach ihren ziemlich undiplomatischen Vernichtungen meiner designerischen Bemühungen wieder mag, und dann macht mir auch ihre Migräne ein ein wenig schlechtes Gewissen. Das ist bitter, aber auszuhalten – und nichts gegen das, was weit schärfere Kritiker dazu äussern würden.
Vorgestern bin ich nachmittags auf der Couch eingedöst, denn die Nacht zuvor war lang. Ich hatte eine aufwändige Bewerbung geschrieben und meine Webseite endlich soweit gebracht, dass sie zumindest mir gefällt. Doch der verdiente Schlaf der Tüchtigen sollte mir nicht lang gegönnt sein. Ich rieb mir die müden Augen: unsere Katzen saßen an meinem Laptop. Ginas Schwanz zuckte zornig. “Das ist ja wieder voll daneben, was Du da gebastelt hast.” Sie sah mich grimmig an und fügte fauchend hinzu: “Schon wieder nur so’ne dilletantische Scheisse!” Ihr Bruder Nero, ein ansonsten gemütlicher schwarzer Kater, wandte sich angewidert ab. Dann knurrte er mich an: “Wir hatten Dich gewarnt. Jetzt ist ‘ne Abreibung fällig!”
Ich beganng mich gerade über das plötzliche Sprachtalent unserer kleinen Tiger zu wundern – in den zwölf Jahren zuvor hatten sie nicht ein Wort gesprochen – da musste ich ebenfalls mit Erstaunen feststellen, dass sie auch gute Beziehungen zu der mir bis Dato unbekannten lokalen Pavianszene zu pflegen schienen. Eine Horde großer Paviane tobte mit viel Geschrei durchs Wohnzimmer, randalierte und trampelte mit gefletschten Zähnen auf mir herum. Ein besonders muskulöses Exemplar setzte sich auf meine Brust.
“Wehe, Dir fällt nicht schnell ein ordentliches Design ein. Wir Paviane sind ausgezeichnete Tot-Trampler und kommen gern wieder!”
Die Paviane waren endlich weg. Während ich die Schäden dieser Stampede begutachtete (eine Seite der Fernsehzeitschrift war herausgerissen!), kamen mir zwar Zweifel, ob ich tatsächlich aufgewacht wär, aber ich machte mir ernsthaft Gedanken, wie ich weitere Bastelarbeiten an meinem WordPress-Theme in Zukunft vor den Katzen geheim halten könnte.
Na schön, ich hab das nur geträumt, und das obendrein zu einer Zeit, in der andere – nota bene – berufstätige Menschen in ihrem Büro wichtige Arbeit leisten dürften. Aber so ist eben grauer Hartz-IV-Alltag, da wird auch so ein geträumtes Drama mangels bedeutenderer Ereignisse schon mal berichtenswert.
So, das war mein Beitrag zum Sommerloch. Hoffentlich geht die Ferienzeit bald zu Ende…

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