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Mrz 04

GA-OP, die Zwote ….

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Der Nachtrag kommt spät, denn meine München-Tour liegt schon über zwei Wochen zurück. Aber die buchstäblich schlaflosen letzten Monate fordern zunehmend Tribut. Ich kann mich kaum noch auf meinen Rechner konzentrieren, das Denken fällt schwer.
Dabei hat sich die anstrengende Autofahrt in den Schneewinter 2010 gelohnt. Mit dem Arztbesuch, einem Treffen mit einer alten Freundin aus meiner Zeit in meinem Garchinger Institut der TU München und einer Stippvisite bei der Münchner Selbsthilfe-Gruppe Viva-TS hatte ich volles Programm.
Dr. Liedl, der Chirurg, der sich meines leidigen Harnröhrenproblems annehmen soll, zeigte sich als freundlicher und vertrauenerweckender Arzt. Stephie und Julia, zwei gute Freundinnen aus Chemnitz, die sich bei ihm hatten operieren lassen, hatten mir nicht zuviel versprochen. Seine Diagnose fiel allerdings niederschmetternd aus. Ich hatte es schon befürchtet: es wird nicht bei einer Meatusplastik, also einem Aufbau des Harnröhrenausgangs bleiben. Die Neovagina ist inzwischen – wohl durch die dauernden Entzündungen, die zudem ordentliches Bougieren zu einer schmerzhaften Tortour machen – inzwischen so verengt und verkürzt, dass ein Neuaufbau ansteht. Mit anderen Worten: ich krieg zum zweiten Mal eine geschlechtsangleichende OP und habe damit auch wieder die gleichen Anstrengungen vor mir wie schon im Juni des letzten Jahres. Baden, Bougieren, Wundpflege, und – die werd ich diesmal konsequent halten – Ruhe…

Aber es muss sein. Ich bin inzwischen völlig fertig. Durchschnittlich alle 90 Minuten ist ein Gang zur Toilette fällig, sonst findet das Wasser andere Wege. Selbst Nachts habe ich keine Ruhe. Eine Stunde, selten auch mal zwei, kann ich bis zur nächsten Sitzung durchschlafen – und die dauert mindestens eine viertel bis zu einer halben Stunde. Dazu hab ich von einer großflächigen Entzündung Schmerzen, die ich heute ausnahmsweise sogar mit einem starken Schmerzmittel betäuben musste. Es ist einfach kaum mehr auszuhalten.

Kein Wunder, dass ich Panik bekam, als mir die Münchner Bettenplanung erst für den Mai einen Termin geben wollte. Zum Glück glaubte mir die Dame, dass Dr. Liedl ausdrücklich gesagt hatte, es sei eilig: ein Anruf beim Chef, und aus Ende Mai wurde der 20. März.
Aber auch die paar Tage werden mir noch lang, denn ich hab vorher noch so viel zu erledigen. Dabei kann ich nicht mal mehr schmerzfrei sitzen. Ich fürchte zwar, dass meine Kraft nicht für alles reichen wird, aber für mich ist diese Zeit jetzt doch wie ein Marathonlauf, wenn auf den letzten Kilometern die Muskeln schmerzen und jeder Schritt zur Qual wird. Am Ende werde ich vielleicht sogar mit ein wenig Stolz staunen dürfen, was ich alles aus- und durchhalten kann. Gelobt sei, was hart macht.
Auf die in Essen vermurkste Harnröhren-OP, die mich ein halbes Jahr und die AOK Hessen eine hübsche Summe gekostet hat, hätt ich trotzdem gern verzichtet. Ich ärgere mich inzwischen, dass ich mich nicht einfach nach der ersten Woche mit dem Dauerkatheter in der Essener Ambulanz schreiend auf den Boden geschmissen und da so lange Terz gemacht hab, bis die mich unverzüglich behandelt hätten. Das hätte ne Menge Kosten gespart, und weh genug getan hat’s eh.

Verdammt, ich freu mich auf den Mai: wieder gesund, warme Tage und endlich das pralle Leben!

7 Kommentare

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  1. Michaela

    Ich wünsche Dir, daß die OP am 20. März den erhofften Erfolg bringt und Du bald wieder das Leben ohne Schmerzen geniesen kannst.
    Liebe Grüße vom Bodensee,
    Michaela

  2. Laurenz

    Wenn Geschlechtsumwandlungen bezahlt werden, dann verstehe ich nicht, warum Haartransplantationen nicht bezahlt werden. Haarausfall kann schließlich auch gravierende psychische Störungen auslösen. Aber Ihr habt eben die lautere und finanziell besser ausgestattete Lobby.

  3. Bad Hair Days

    > Aber Ihr habt eben die lautere und finanziell besser ausgestattete Lobby.

    Der war gut *rofl*

  4. Laurenz

    Das tut mir wirklich leid, dass du derartige Komplikationen hast. Aber wenn du ein Mann geblieben wärst, hättest du dir den ganzen Ärger erspart.

  5. Bad Hair Days

    Logikfehler:
    Wie hätte sie etwas bleiben können, was sie nie war?

  6. Valerie

    Wenn es sich um entstellenden Haarausfall handelt, werden ggf. auch Haartransplantationen oder Perücken bezahlt. Allerdings in der Regel nur bei Frauen: bei Männern ist Glatzenbildung nun mal ein ganz natürliches Phänomen ohne weiteren Krankheitswert. Tut mir leid, wenn Du mit Deinem Haarausfall ein Problem hast. Du solltest Dich damit abfinden. Ausserdem kann ne kahle Murmel (bei einem Mann) richtig gut aussehen, wenn der Kerl sie mit Stolz und Würde trägt, wie zum Beispiel Italiens Ex-Starschiedsrichter Piereluigi Collina.

  7. Valerie

    Laurenz wird und will es wohl auch nicht begreifen…

    Ganz ehrlich, lieber Laurenz: auch wenn mir meine derzeitige physische Verfassung an die Substanz geht, ging es mir psychisch nie besser als heute.
    Darüber zu schreiben gehört in so ein Blog. Es ist nun mal die weniger schöne Seite der Geschichte, die ich hier erzähle.
    Jede von uns, die sich auf diesen Weg macht, muss damit rechnen, dass nicht alles glatt geht. Aber sie darf auch wissen, dass sich die Mühe trotzdem lohnt!

    Ansonsten gilt: don’t feed the troll…

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