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Sep 13

Sonntag, 14. September: Feuchtgebiet – oder Sumpf?

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Sieht man mal von den seelischen Kratzern ab, die die scheinbar ständigen und ungefragten Zweifler an meinerm weiblichen Selbstvertrauen hinterlassen, hab ich eine Menge an Selbstverständlichkeit gewonnen, was meine eigene Sicht auf mein Frau-Sein betrifft.
Trotzdem hat es gelegentlich noch einen Rest von Ungewohntem, wenn der Griff in den Schritt ins Leere geht. Auch was ich nackig im Spiegel sehe, lässt mich fast vier Monate nach der OP immer mal wieder staunen. Ja, das bin tatsächlich ich, oben mit Brüsten, in der Mitte mit einer leider wieder beachtlichen Plautze, und weiter unten mit einem noch immer nicht ganz verheilten, aber doch recht authentisch weiblich wirkendem Genital.
In meinem Alltag war nach der OP endlich wieder so viel Raum für ganz normalen Alltag, dass ich fast vergessen hab, wie groß der Schritt war, den ich in den letzten Monaten gegangen bin. Zu groß, um bei alldem, was ich an positivem Lebensgefühl gewonnen hab, nicht auch irgendwie traumatisch zu sein.
Dabei muß ich zugeben, dass es ein sehr schönes Gefühl ist, abseits der (von mir endlich wieder sehr sorgfältig gemachten) reichlich unerotischen “gynäkologischen Hausaufgaben” des Bougierens und nächtlichen Platzhaltertragens mein neues Feuchtgebiet zu erfahren. Alle äusseren Operationswunden sind jetzt symmetrisch glatt verheilt und bis auf eine leichte Reizung abgeschwollen. Mit jedem Tag erwachen neue Nevenenenden. Von der pflegerischen Nahkampfzone der ersten Wochen mit den häßlichen Eiterplaques und entzündeten Wundrändern ist kaum noch etwas zu ahnen.
Ich hatte mir nur nicht vorgestellt, dass das so feucht sein würde. Ohne Slipeinlagen gehts derzeit nicht, und ich hab ständig die Sorge, dass die allein die Feuchtigkeit nicht zurückhalten. Ausserdem muffelt es – manchmal zumindest – nicht gerade diskret. Vielleicht bin ich in den letzten Wochen in bestem Bemühen um gute Nachsorge ein bisschen arg hygienefanatisch geworden, aber mein Feuchtgebiet scheint mir bisweilen ein ganz veritabler Sumpf zu sein…

Das Bougieren schmerzt immer noch. Schon nach einem Tag scheint das Gewebe wieder so nachgewachsen zu sein, dass es beim Einführen des Dilatators bis zum Reissen gedehnt wird. Es kostet einiges an Überwindung, gegen den dumpfen Dehnungsschmerz und das heftige Kratzen – das den gelegentlich dabei auftretenden Blutungen nach zu urteilen vermutlich von Rissen in der Scheidenwand kommt – zu arbeiten. Als Gleitmittel benutze ich jetzt testweise Durex Play. Die Scherfestigkeit ist allerdings nicht optimal, denn es scheint immer wieder Stellen zu geben, an denen sich der Schmierfilm auflöst und wo es damit schmerzhaft reibt.
Na, notfalls kann ich mit dem Gel auch angestoßene Cubanerinnen retten: auch Zigarrenkleber hat als Hauptbestandteil Methylzellulose.

1 Kommentar

  1. Ulrich Drobig

    Hallo Schatz,

    gibts diesen Blog auch allgemeinverständlich? =)

    Ich liebe Dich,

    Dein “Emu”

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