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Jul 27

Montag, 27. Juli: On on the road again (aber ganz vorsichtig!)

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Ich habs überstanden. Die OP war diesmal tatsächlich keine große Sache: was die “Genitalkosmetik” betrifft, war davon schon am Samstag, also gerade mal zwei Tage nach der Operation so wenig zu spüren, dass ich mich ernsthaft gefragt hab, was der Herr Rossi da eigentlich gemacht hat ausser tüchtig Jod drauf zu pinseln. Aber er hat wohl gut gearbeitet, die Nähte sind sauber und scheinen sehr schnell zu verheilen.
Umso heftiger waren dagegen die Nachwehen der Brustvergrößerung. Der orthopädische BH drückt und drunter tuts weh, als hätte man mir den Oberkörper gründlich durchgeprügelt. Das Ding ist dazu warm wie eine Pelzjacke für Polarforscher. Im nächsten Leben lass ich diesen Teil der Arbeiten im Hochwinter (und am Besten auf einer schlecht geheizten Polarstation) machen, denn ich hab bei dem schwülen Wetter dieser Tage geschwitzt was das Zeug hält.
Duschen darf ich obenrum nicht, aber schwitzen. Gut für die Nähte unter der Brust war das bestimmt nicht.
Am Montag Mittag musste ich dann “aber ganz fix” zur Kontrolle in die Frauenklinik im Nachbargebäude. Ganz fix hab ich da bis halb Fünf gewartet, bis sich endlich eine Ärztin blicken liess und dann ganz fix, aber mit heftig Aua die erste Drainage aus der Brust zog. “Ganz fix”, aber in Anbetracht der über dreistündigen Wartezeit zuvor wirklich ganz, gaaaanz fix, kam dann auch nur eine gute Stunde später mein Transporter und schob mich zurück. Zum Glück versorgte mich eine freundliche, schon etwas ältere TS den ganzen Nachmittag mit Kaffee. Praktisch, wenn man Dank Blasenkatheter sein übliches Kaffeequantum (etwa 10 Tassen) inhalieren kann, ohne dabei auch nur einen Gedanken auf den sonst mehrfach fälligen Gang zur Toilette zu verschwenden. So konnte ich mich auf ihre Diskriminierungserfahrungen konzentrieren. Die waren ganz erheblich bis hin zur Körperverletzung, und für mich, die den Großteil ihres Lebens nicht in sozialen Brennpunkten, sondern in einem gutbürgerlichen Umfeld verbringt, völlig unbekannt.

Mittwoch war ich schon wieder zu Hause. Glücklich, “alles” hinter mir zu haben, aber noch immer stark geschwächt. Den Großteil der letzten Woche hab ich verdöst und mir Mühe gegeben, das mit ruhigem Gewissen zu tun: die Rekonvaleszentin gönnt sich Ruhe und unterschätzt diesmal nicht die Schwere der Operation.
Trotzdem muß ich diese Woche (vorsichtig) anfangen zu arbeiten. Erstens, weil ich will, und zweitens, weil ich mir Schonung wie die Mehrzahl derer gar nicht leisten kann, die endlich aus Hartz IV raus will. Ich hab eine Scheiß-Angst vor dem, was für Millionen Arbeitsloser, Aufstocker und Billiglöhner kommt, wenn ab Herbst Schwarz-Gelb in Berlin regieren wird.
Ach ja: aber ich habe auch ein wenig Hoffnung, dass ich diesem deprimierenden Druck der Lohndrücker und Gewinnmaximierer – gerade noch rechtzeitig – entkommen könnte…

PS: Ich bin jetzt übrigens auch juristisch eine Frau. Das Amtsgericht Köln hat festgestellt, dass ich dem weiblichen Geschlecht angehöre :)

1 Kommentar

  1. shabu

    schon ein monat nix mehr gebloggt – deine leserinnenschaft ist in sorge!

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