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Mrz 11

Leuchtendes Weilerswist

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Es soll Weilerswister geben, für die ist das Schönste an ihrer Heimatgemeinde die Autobahn nach Köln. Weilerswist habe wenig zu bieten, sagen sie. Sie arbeiten in Köln, schicken ihre Kinder nach Brühl oder Euskirchen zur Schule und schlafen in einem der mehr oder weniger langweiligen Neubaugebiete.
Dazu kommt das deprimierende Gefühl in einem Ort zu wohnen, der von der Welt einfach nicht beachtet wird. Anders als die nahe Kreisstadt wird Weilerswist nie in den Staumeldungen zur Autobahn A1 erwähnt, und Reiseführer ignorieren beharrlich diesen Ort, obwohl er neben Kiesgruben, einem dahinsterbenden Ortskern und dem sozialen Brennpunkt Deutscher Platz demnächst sogar ein Billigmarktzentrum besitzt.

Geht es nach der Mehrheit im Gemeinderat, wird sich das bald gündlich ändern.
Ein 56 Meter hoher Werbemast soll weithin leuchtend kommunales Selbstbewusstsein demonstrieren. Zehntausende Menschen, die bisher täglich achtlos an Weilerswist vorbei fuhren, werden in Zukunft von Rheinbach bis Gymnich nicht mehr übersehen können: hier sind Mc Donald’s, Shell und ADAC, große Marken, große Namen, hier ist Weilerswist! Neidvoll werden die Euskirchner gen Norden blicken. Selbst bis zu den – noch nicht eingestürzten – Dächern Kölns soll die Botschaft tragen, denn sie wird die Ville um fast 30 Meter überragen.

Weithin sichtbar: der Weilerswister Werbemast

Weithin sichtbar: der Weilerswister Werbemast

Nur wirklich boshafte Zeitgenossen werden dann noch der Ansicht sein, man könne Weilerswist nur noch schöner machen, indem man mit dem Bagger darüber fährt.

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