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Mai 18

Montag, 18. Mai: t -13h 20m (Abführmittel statt Abendessen)

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Da liegen sie also, meine vier Abführpillen. Das ist hier die Absolution, auch der letzte Arzt hat also meine OP abgesegnet. Abendessen bekomm ich dafür nicht
Ich möchte allein sein mit meinen Gedanken, aber da ist Gabi, meine krebskranke Zimmernachbarin. Ihre Diagnosen werden im Laufe des Tages immer schlechter. Vor wenigen Wochen war sie sicher noch eine lebenslustige und resolute Mutter. Jetzt verabschiedet sie sich vom Leben, weint, ich habe das Bedürfnis sie zu trösten und kann es so wenig. Als sie Besuch von ihrem ältesten Sohn bekommt, geh ich auf den Flur. Ich fühl mich mit dieser Situation grad doppelt überfordert.
Während sie um ihr Leben ringen muß, darf ich jetzt so voller Hoffnungen sein.

Ich warte noch auf meine Thrombosestrümpfe, die ich in der kommenden Nacht tragen soll. Die Pillen beginnen zu wirken. Während die Abendroutine auf der Station abläuft, ist mein Kopf seltsam leer: so sieht also mein letzter Abend vor der OP aus.
Ich werd ein wenig auf den Balkon gehen, ein Weilchen in der Abendsonne vergehen lassen. Vielleicht schaff ich noch einen Blogeintrag, bevor ich die nächsten Tage offline bleiben muss.

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