«

»

Mai 10

Sonntag, 10. Mai: T -8 Tage (Ich hab doch keinen Koffer in Berlin…)

Download PDF

Aus, vorbei. Müde rolle ich meinen Koffer Richtung S-Bahn, verabschiede mich auf dem Bahnsteig so herzlich von mir bis dato unbekannten anderen Teilnehmern der Tagung wie von meinen Facebook-Freunden. Die Freundlichkeit im „Wir sehen uns auf der nächsten BDK in Rostock“ ist echt. Im ICE „Cottbus“ nach Köln kommt noch einmal Parteitagsatmosphäre auf, als sich müde Menschen mit grünen T-Shirts und Buttons an mir auf der Suche nach ihrem Sitzplatz vorbeischieben. In ihren Rucksäcken tragen einige darunter noch die gelb-grünen „Winkelemente“, die das Bild der letzten Sekunden des Parteitags prägten. Nach den kämpferischen Schlussworten von Renate Künast, Claudia Roth und Jürgen Trittin mischte sich bei Softrock und der obliatorischen Danksagung an Team und Teilnehmer das endlich aufgekommene Pathos mit Wehmut über das Ende eines für grüne Verhältnisse ungewöhnlich harmonischen „Familientreffens“.
Dem immer wieder zu hörenden Bedauern über die fehlenden Debatten stand die Einigkeit darüber entgegen, dass es höchste „Zeit für Veränderung“ ist. Wie die zu erreichen sein soll, bleibt ohne erkennbare Optionen für eine Regierungsbeteiligun im Herbst aber weiter offen.

Für einen Moment lässt ein WAMS-Artikel über Guido Westerwelles Ankündigung eines Lagerwahlkampfes an meiner eigenen Euphorie zweifeln. Ist es fair, die 80 Milliarden, die Grüne in Bildung, Klimaschutz und die Rückkehr zu einer sozialen Marktwirtschaft allein unseren inzwischen doch ach so von der Steuerlast gequälten Reichen aufzubürden? Wie fair sind wir zum sogenannten Mittelstand? Aber dann fällt mir die Heuchelei in seiner Argumentation auf: die schon so oft gehörte Manipulation mit den Zahlen des Bundesamtes für Statistik, mit der Vertreter von Union, FDP und Großfinanz die sogenannte „Umverteilung von Unten nach Oben“ anprangern. Ich denke an die Unfairnis, mit der Sozialabgaben fast komplett auf die Bezieher von Arbeitseinkommen abgewälzt werden. Diejenigen, die ausschliesslich von ihren Vermögen leben, Großverdiener und einkommensstarke Selbstständige entziehen sich bei den Sozialabgaben der Solidarität, die sie selbst wie selbstverständlich dort fordern, wo sie Dank der Finanzkrise Opfer ihrer eigenen Maßlosigkeit werden. Warum sollte ich da sentimental werden, wenn es doch definitiv nicht an mir liegt, dass ich meinen Beitrag zu deren Reichtum nicht leisten darf?
Doch, ich fühle mich in einem grünen T-Shirt sehr wohl und freue mich auf Rostock, wo ich im Oktober meine bei den anstehenden Wahlen hoffentlich erfolgreichen und selbstbewussten Grünen mitfeiern darf.

Kurz vor Bielefeld sind es noch 206 Stunden: ich habe ein unangenehmes Völlegefühl und hoffe, dass nur meine Müdigkeit daran Schuld ist. Aber ich weiss selbst zu gut, dass ich in den letzten Monaten nicht grad abgenommen hab. Die letzte Woche vor der OP werd ich für viel Bewegung und ausreichend Schlaf sorgen. Die Aufregung macht Appetit, und ich will mich von meinen zunehmend häufigen Blicken auf die Uhr nicht mit der Planung des nächsten Essens ablenken.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können diese HTML-Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Security Code: