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Mai 05

Montag, 4. Mai: T -14 Tage (Kellerkind im Web 2.0?)

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Lang hab ich mich geweigert, aber seit Wochen hab auch ich einen Facebook-Account. Der vernetzte Mensch hat sowas zu haben. Ich hab mich zwar nie für sonderlich bedeutend gehalten, aber mit dem in den letzten Monaten spürbar gestiegenen – selbstverständlich weiblichen – Selbstvertrauen wollte ich nicht auch noch im web 2.0 in der Bedeutungslosigkeit versinken.
Ach, dachte ich, auch meine gepflegte Mittelmässigkeit vermag gelegentlich an so einem Ort in der Beschränkung auf Wesentliches zu glänzen. Unlängst wurde mir in einem amtlichen Gutachten “funkelnder Sprachwitz” attestiert, und eine Dozentin an einer Journalistenschule wollte bei mir gar “nicht unerhebliches journalistisches Talent” entdeckt haben. Also, ran an die Bulletten. Oh stolzer Hochmut…

Meine Freundesliste wurde länger. Immer mehr grüne Kontakte erschienen darauf, interessante Kontakte, solche, bei denen man sich in Erinnerung halten sollte, sofern man meinen bescheidenen Ehrgeiz in Sachen Journaille und Politik teilt. Aber auch mein Gesicht wurde länger.
“Amalie Dingenskirchen BuVo TK!” lese ich auf meiner Startseite. “Hein Stoffel kommt von der JuVo in Erfurt und fährt zum Sowieso-Rat nach Berlin.” Ui! Auch das. Inzwischen teilt mir Amalie Dingenskirchen mit, dass sie an einer Pressemitteilung zu irgendeinem Beschluß arbeitet und ebenfalls gleich zu einem Sowieso-Rat fährt. Hein Stoffel muss jetzt nach Hannover zu einer Konferenz der Grünen Jugend, während Amalie Dingenskirchen sich twitternd Sorgen macht, ob ihr iPhone noch ausreichend geladen ist, um uns über ihre weiteren Termine auf dem Laufenden zu halten. Womöglich verpassen wir, ob sie italienisch oder thailändisch zu Abend gespiesen hat, mit einem gewissen Sven, der sicher auch twittert, bloggt und facebooked was das Zeug hält und nur noch nicht auf meiner Freundesliste steht.
Dazu Links im Dutzend, und ich staune, wieviel Zeit diese offenbar unglaublich wichtigen Leute neben all ihrer harten Arbeit und ihren wichtigen Konferenzen noch finden, im Web Informationen zu entdecken, die ich möglicherweise nie gesucht hätte.

Ich komm plötzlich mir wieder so unbedeutend vor. Meine eigene Web 2.0-Existenz entbehrt offenbar jeder Relevanz. Schön, ich fahr morgen ins Kreisbüro der Grünen und mach mich schlau, was in Sachen Wahlkampf (leider nicht) geplant ist. Schnack mit Gerti, der guten Seele dort, und danach wieder nach Hause. Pffft… Na schön, danach werde ich an einem Artikel zur Arbeit von Kap Anamur im Kongo arbeiten, an einem weiteren zu Mädchen in Männerberufen und an der Recherche zum Verhältnis junger Musliminnen zur Emanzipation, ein paar Shirts bügeln, für ein Projekt zum Thema “Toleranz” an einer Euskirchner Schule konferieren, eine Pizza backen, die Spülmaschine ausräumen und weiter über mein geplantes Buch nachdenken – aber interessiert das irgendwen? Und wenn nein: schreib ich in meiner dämlichen Bescheidenheit etwa trotzdem drüber?

Versuch macht kluch… Auch die vorläufig noch unbedeutende Valérie wird in Sachen Eigen-PR an sich arbeiten.

“Valérie Projektsitzung Wahlkampagne ’09 mit WUMS”, “Valérie auf dem Weg nach Euskirchen West, TK mit Cap Anamur”, “Valérie bügelt Shirts: muß auch sein”, “Valérie isst eine garantiert nicht veganische Pizza Marinara”, “Valérie ist müde vom Telefonieren, trotzdem Konferenz mit Oberstudienrat”. Geht doch… :)

Sonst: ich bin aufgeregt. In meinem Terminkalender wird es eng, das lässt die nahende Operation bereits zur organisatorischen Herausforderung werden. Ich denke wieder an meinen Adventskalender, in der Vorweihnachtszeit kämen die Vorbereitungen aufs Fest drei Tage nach Nikolaus bereits in die heisse Phase.
All den Bemühungen, mich auf den Heiligen Abend einzustimmen, könnte ich gar nicht mehr ausweichen.
Dabei würde mich diese Sentimentalität und Feierlichkeit dieser Tage einnehmen. So ähnlich gehts mir jetzt. Und ich hab so nah am Wasser gebaut.
Ich sehne mich nach dem zweiten Weihnachtstag, mit seiner Ruhe nach der Aufregung.

5 Kommentare

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  1. Angelika

    Hallo Valérie

    Fühl Dich mal ganz lieb in den Arm genommen!
    Ich denke viel an Dich und wünsche Dir Alles Gute für die OP.

    Meld Dich doch nochmal bei Uns bevor Du nach Essen gehst!

    Liebe Grüße

    Angelika

  2. Valerie

    Klar, ich schau nächste Woche nochmal rein.

    Grüß das AWO-Frauencafé von mir!

    Alles Liebe
    Valérie

  3. Matthias Schneider, Duisburg

    Hey Valérie,
    bin auch mal hier gelandet !!!
    Ich jedenfalls mache einen bookmark auf Deine Seiten.

    Alles Gute wünscht:
    Matthias.Duisburg

  4. Angelika

    Hallo Valérie,

    ich habe Heute Deine Grüße ausgerichtet!

    Alle freuen sich, wenn Du nächste Woche kommst!

    Gruß

    Angelika

    PS. Ich wußte nicht, wie und wo ich Dir das sonst schreiben sollte…

  5. Petra

    Hallo Valérie,

    wie ich sehe ist der countdown fast abgelaufen.
    Ich kann nicht ermessen,was das für dich bedeutet….
    aber ich kann wünschen!
    Ich wünsche dir, dass deine Träume in Erfüllung gehen. Und ganz pragmatisch: einen begnadeten Operateur, wenig Schmerzen, gutes Heilfleisch und viele gute Gedanken von all den Menschen die an dich denken.
    Ich drück dich fest.

    Petra

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